Was macht denn überhaupt ein Betriebsarzt?

Der Arbeitgeber hat eine sogenannte Fürsorgepflicht, d.h. er muss die Arbeitsplätze so gestalten, dass gesundheitliche Gefährdungen der Mitarbeitenden vermieden werden. Bei dieser Aufgabe wird er unterstützt von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt. Die Aufgaben des Betriebsarztes sind in § 3 des Arbeitssicherheitsgesetzes festgelegt. Dazu zählen u.a.

  • die Beratung des Arbeitgebers in arbeitsmedizinischen Fragen und ihrer praktischen Umsetzung auf betriebliche Belange.
  • die arbeitsmedizinische Untersuchung und Beratung der Mitarbeiter.
  • die regelmäßige Begehung der Arbeitsplätze, Untersuchung der Arbeitsplätze nach arbeitsmedizinischen und arbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten.
  • Beratung des Arbeitgebers bezüglich Organisation der Ersten Hilfe.
  • die Kontrolle von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ist nicht Aufgabe des Betriebsarztes.

Eine wichtige Aufgabe des Betriebsarztes ist die Durchführung der Vorsorgeuntersuchungen. Je nach Arbeitsplatz können Mitarbeitende unterschiedlichen “Gefährdungen” ausgesetzt sein. Solche Gefährdungen sind z.B. Lärm, Gefahrstoffe wie Blei, Asbest oder Lösemittel, Infektionsgefahren (z.B. im Gesundheitswesen) oder auch die Bildschirmarbeit.

Um Erkrankungen, die aus solchen Gefährdungen resultieren können, frühzeitig zu erkennen und so zu vermeiden, führt der Betriebsarzt entsprechende Untersuchungen und Beratungen durch. Der Umfang einer solchen Vorsorge richtet sich nach der jeweiligen Gefährdung und umfasst neben der individuellen Beratung optional z.B. Seh- und Hörtests, Blutuntersuchungen, Lungenfunktionsmessungen, (Belastungs-) EKG usw.

Manche Untersuchungen können vor Ort im Unternehmen durchgeführt werden, andere sind nur in einer unserer Praxen möglich.

Zurück zu den anderen Fragen

Muss jeder zum Betriebsarzt?

„Jein“. Das hängt letztlich von der Untersuchung ab. Es gibt nach der ArbMedVV vom 30.12.2013 die sogenannte Pflichtvorsorge, der man sich nicht entziehen kann. Ohne Beratung und optionale Untersuchung darf hier die Arbeit nicht aufgenommen, bzw. fortgeführt werden. Die Angebotsvorsorge muss der Arbeitgeber ermöglichen, ist aber für die Mitarbeitenden freiwillig.

Auch in der Arbeitsmedizin gilt das Recht der freien Arztwahl, wenn auch etwas eingeschränkt. Der Mitarbeitende muss eine vorgeschriebene Vorsorge nicht zwingend durch den zuständigen Betriebsarzt durchführen lassen, sondern kann, z.B. bei einem gestörten Vertrauensverhältnis, einen anderen – ermächtigten – Arzt aufsuchen. Allerdings ist in diesem Fall die Kostenübernahme mit dem Arbeitgeber zu klären.

Zurück zu den anderen Fragen

Kann das denn nicht mein Hausarzt machen?

Normalerweise nicht. Bei einer arbeitsmedizinischen Vorsorge werden die individuellen gesundheitlichen Voraussetzungen des Mitarbeitenden und die Gefährdungen am jeweiligen Arbeitsplatz betrachtet. Aufgrund seiner Qualifikation als Arbeits- bzw. Betriebsmediziner sowie der Kenntnis der jeweiligen betrieblichen Verhältnisse, ist nur der Betriebsarzt in der Lage, eine individuelle gesundheitliche Gefährdung des Mitarbeitenden an seinem Arbeitsplatz qualifiziert zu beurteilen und ihn gezielt zu beraten.

Arbeitsmedizinische Vorsorge darf nur von entsprechend qualifizierten oder speziell ermächtigten Ärzten durchgeführt werden. Dazu gehören Ärzte mit der Facharztbe-zeichnung Arbeitsmedizin oder der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin sowie von den staatlichen Stellen oder den Berufsgenossenschaften für bestimmte Untersu-chungen extra zugelassene Ärzte.

So ist also die Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge nur dann durch den Hausarzt möglich, wenn dieser Facharzt für Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin und ggfs. für die jeweilige Vorsorge “ermächtigt” ist.

Zurück zu den anderen Fragen

Erfahren mein Chef oder die Personalabteilung meine Untersuchungsergebnisse?

Nein. Alles, was zwischen Mitarbeitenden und Betriebsarzt, bzw. Betriebsarztmitarbeitenden besprochen wird sowie sämtliche Befunde, fallen unter die ärztliche Schweigepflicht.

Über alle Beratungen und optionalen Untersuchungen der arbeitsmedizinischen Vorsorge erhalten Mitarbeitender und Arbeitgeber eine Teilnahmebescheinigung. Hieraus gehen lediglich die Teilnahme und der Termin der nächsten Vorsorge hervor. Eine Aussage zu evtl. gesundheitlichen Einschränkungen erfolgt nicht.

Eignungsuntersuchungen

Bei der oben beschriebenen arbeitsmedizinischen Vorsorge stehen die Früherkennung von Berufserkrankungen oder beruflich bedingte Gesundheitsrisiken im Vordergrund. Abweichend davon geht es bei Eignungsuntersuchungen um die Prüfung, ob ein Mitarbeitender gesundheitlich in der Lage ist, bestimmte Tätigkeiten auszuüben.

Eine klassische Eignungsuntersuchung ist z.B. die Untersuchung für Staplerfahrer. Hier geht es nicht primär darum, ob Staplerfahren krank macht, sondern um die Frage, ob z.B. die Augen gut sind oder bestimmte Erkrankungen mit einer erhöhten Eigen- oder Fremdgefährdung einhergehen. Das könnte beispielsweise bei Diabetes oder Epilepsie der Fall sein.

Auch hier erhalten Mitarbeitender und Arbeitsgeber nach der Untersuchung eine Bescheinigung, allerdings mit folgenden Beurteilungsmöglichkeiten:

  • keine gesundheitlichen Bedenken - d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit uneingeschränkt weiter durchführen.
  • keine Bedenken unter bestimmten Voraussetzungen - d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit weiter durchführen, es müssen dazu aber gewisse Auflagen erfüllt sein, z.B. das Tragen persönlicher Schutzausrüstung, Änderungen der Arbeitsorganisation o.ä.
  • befristete Bedenken - d.h. der Mitarbeiter kann seine Tätigkeit vorübergehend nicht ausüben, z.B. bis zum Ausheilen einer Erkrankung.
  • dauernde Bedenken - d.h. der Mitarbeiter kann die Tätigkeit voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

Über diese Aussagen hinaus erfahren weder Chef, noch Personalabteilung Details der Untersuchung.

Sollten individuelle Untersuchungsergebnisse bedeutsam werden, z.B. bei Neuschaffung oder Umgestaltung von Arbeitsplätzen, muss dem Betriebsarzt eine schriftliche Entbindung des Mitarbeitenden von der Schweigepflicht vorliegen.

Zurück zu den anderen Fragen

Häufige Fragen

  • Sprechzeiten: Montag bis Freitag, 8.00 Uhr - 17.00 Uhr
    Fon + 49 - 241 - 99 01 890 - Termine nur nach Vereinbarung
  • Impressum